Mit gutem Gewissen in Immobilien investieren

Der Wohnungsmarkt ist ein Haifischbecken, in dem es immer enger wird. Gebaut wird viel, aber bezahlbare Wohnungen sind Mangelware. Der Markt wird von Akteuren beherrscht, denen es in erster Linie um Gewinnmaximierung geht. Das Statistische Bundesamt ermittelte im Januar 2021 einen Mietanstieg von bundesweit durchschnittlich 7,7 Prozent gegenüber 2015. In den Ballungszentren liegt der Wert noch höher. Die Statistiker teilen ferner mit, dass mittlerweile 14% aller Haushalte mehr als 40% ihres Einkommens für das Wohnen aufbringen müssen und damit finanziell überfordert sind. Doch nicht nur Betroffene, sondern auch Menschen, die Geld anlegen wollen, sehen diese Entwicklung zunehmend kritisch. Gefragt sind Investments, die nicht nur Rendite versprechen, sondern einen ethischen, sozialen und ökologischen Beitrag für das Gemeinwesen leisten. Mit gutem Gewissen investieren, das geht auch mit „Betongold“. In vielen norddeutschen Städten, z.B. in Hamburg, Bremen, Osnabrück und Stade, sind derzeit nachbarschaftlich orientierte Wohnprojekte am Start, die nachhaltig preisgünstigen Wohnraum schaffen wollen. Sie suchen geeignete Grundstücken und sozial engagierte Geldgeber, die sich an diesen Projekten finanziell beteiligen.

Ein Beispiel: In der Fairmietergemeinschaft Ellener Hof haben sich private Investoren und Investorinnen gefunden, in deren Wertesystem die Gewinnorientierung nicht an erster Stelle steht, denen es stattdessen um eine sichere Kapitalanlage mit Wertsteigerung und hohem sozialen Anspruch geht. Es entsteht ein Wohnhaus mit 13 bedarfsgerechten und nachhaltig bezahlbaren Wohnungen. Die Hälfte der Wohnungen sind Mietwohnungen für Haushalte mit Wohnberechtigungsschein. Das Projekt profitiert von den günstigen Niedrigzinsen und den aktuellen Förder- und Finanzierungsbedingungen und es kommt ohne externen Bauträger aus. Alle, die im Haus wohnen, zahlen abhängig von der Höhe ihres eingebrachten Eigenkapitals ein monatliches Nutzungsentgelt oder Miete. Investoren und Investorinnen, die nicht im Haus wohnen, erhalten die durch Mieteinnahmen erzielten Überschüsse. Der faire Umgang mit Kapital und Wohnraum ist der Grundgedanke, der alle Beteiligten langfristig verbindet.

Kommunale Chancen für attraktives Stadtleben

In gemeinschaftlich orientierten Wohnprojekten entsteht gelebte Vielfalt: Alt und Jung, Singles, Paare, Familien mit Kindern … alle unter einem Dach. Baugruppen schaffen gemeinschaftliches Eigentum in gemischter Finanzierung, teilweise frei finanziert zur Selbstnutzung, teilweise mit öffentlicher Wohnungsbauförderung als dauerhaft bezahlbare Mietwohnungen. So gelingt gegen den Trend der Gentrifizierung die Integration von Haushalten mit unterschiedlichen Lebensstilen und Einkommensverhältnissen. Alte Quartiere erhalten eine Neubelebung, ohne dass die angestammte Bewohnerschaft ihren „Kiez“ verlassen muss.

Viele erfolgreiche Projekte im ganzen Land zeigen, dass sich diese Art des Neuen Wohnens in der Stadt positiv auf das Gemeinwesen auswirkt. Bewohner und Bewohnerinnen von Gemeinschaftsprojekten engagieren sich in besonderem Maße in ihrem Wohnquartier. Sie prägen und gestalten aktiv ihre Umgebung, tragen zur lebendigen Weiterentwicklung des Wohnumfelds bei. Nachbarschaft, Quartier, Stadtteil und die Kommune als Ganzes profitieren davon. Es bilden sich nachbarschaftliche Selbsthilfe-Initiativen und aktives bürgerschaftlichen Engagement. Es entsteht ein attraktives und bedarfsgerechtes Wohnungsangebot in nachhaltiger Bauweise. So wird Stadtflucht vermieden und der städtische Siedlungsraum aufgewertet. Es lohnt sich daher für Kommunen, geeignete Grundstücke für gemeinschaftliche Wohnprojekte auszuweisen.